Bibeltreff zu Hause – 19.Mai – Ein Abschied der Freude auslöst

Bibeltreff zu Hause 19.Mai

Werner Schott

Ein Abschied, der Freude auslöst; Gedanken zur Auffahrt

Lukas 24,50-53

Es ist nicht einfach, sich von Menschen zu verabschieden, die man liebt. Besonders traurig machen uns Abschiede, wenn sie endgültig sind. Heute beschäftigen wir uns mit einem ganz besonderen Abschied. Ein Abschied, der nur auf den ersten Blick endgültig ist.

 

Es ist der Abschied von Jesus, als er die Erde verlassen hat und zu seinem Vater zurückkehrte. Das Erstaunliche bei diesem Abschied ist jedoch, dass er nicht Trauer, sondern Freude auslöst.

Dieses historische Ereignis ist der Grund für den Feiertag, den wir „Auffahrt“ nennen und der in Deutschland und Österreich mit „Christi Himmelfahrt“ bezeichnet wird.
Jesus führte seine Jünger zur Stadt hinaus und verabschiedete sich von ihnen. „Dort erhob er die Hände, um sie zu segnen.“ (Lukas 24,50b). Das muss ein eindrückliches Ereignis gewesen sein. Jesus ist mit den Jüngern auf dem Ölberg im Gespräch. Sie sprechen über das Reich Gottes und die Jünger fragten ihn, wann er wohl das Reich Gottes sichtbar errichten werde. Ohne ihnen einen Zeitpunkt zu sagen, weist er sie auf die kommenden Aufgaben hin … und plötzlich:

„Während er sie segnete, wurde er von ihnen weggenommen und zum Himmel emporgehoben.“ (Lukas 24,51)

photography of clouds and forest trees

Man muss sich das einmal vorstellen. Plötzlich beginnt Jesus zu schweben. Er verliert den Boden unter den Füssen. Was für ein heiliger Moment muss das gewesen sein!

Für uns eine schwierige Vorstellung, dass jemand, der mit uns spricht, plötzlich vom Boden abhebt und Richtung Himmel schwebt. Darauf kommt eine Wolke, die Jesus umschliesst und die ganze Schar Jesus nicht mehr sieht, sondern nur die Wolke.

Lukas beschreibt in der Apostelgeschichte diesen Moment noch etwas detaillierter:  „Jesus wurde vor ihren Augen emporgehoben. Dann hüllte ihn eine Wolke ein, und sie sahen ihn nicht mehr.“ (Apostelgeschichte 1,9). Wie gebannt starren sie auf diese Wolke, die Jesus verbirgt und wie sie sich immer mehr von ihnen entfernt. Uns wäre das bestimmt nicht anders gegangen. Mit offenem Mund würden wir auf die Wolke starren, um zu sehen was passiert und ob man vielleicht Jesus noch einmal sehen würde.

Aber Jesus ist ja nicht in den sichtbaren Himmel gegangen, sondern in den unsichtbaren Himmel.

„Die Jünger warfen sich nieder und beteten ihn an.“ (Lukas 24,52a)
Sie verehrten ihren Herrn. Keiner rief „bitte bleib hier“, sondern sie beteten ihn an.

Erstaunlicherweise waren sie nicht traurig, wie wir das erwarten würden. Ich finde, sie hätten genügend Gründe gehabt, traurig zu sein. Sie wussten, dass sie jetzt Jesus nicht mehr persönlich begegnen werden. Sie werden ihre Fragen nicht mehr mit ihm besprechen können.

Wir würden so etwas wie Abschiedsschmerz erwarten. So wie später, als sich die Ältesten der Gemeinde in Ephesus von Paulus verabschieden mussten. Da weinten alle, inklusive Paulus, denn sie waren davon überzeugt, dass sie sich auf dieser Erde nie mehr sehen werden.
Aber beim Abschied von Jesus gab es keine Tränen. Die Jünger waren nicht traurig, wie nach der Kreuzigung Jesu‘. Dieser Abschied ist ganz anders, als wir es erwarten würden. Statt Trauer macht sich grosse Freude breit.

„Die Jünger kehrten nach Jerusalem zurück, von grosser Freude erfüllt.“ (Lukas 24,52b)boy sitting on bench while holding a book

Die Jünger liebten Jesus über alles. Die Freude war deshalb gross, weil sie die Bedeutung des Abschieds verstanden hatten. Es war noch nicht lange her, da sagte ihnen Jesus:

„Wenn ihr mich wirklich lieben würdet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist grösser als ich.“ (Johannes 14,28)

Jetzt haben sie begriffen, was Jesus damals meinte und die Freude war gross!

„Sie waren von da an ständig im Tempel und priesen Gott.“ (Lukas 24,53)

 

Freut euch – Jesus ist tatsächlich der Sohn Gottes!

Die Freude ist gross, weil die Jünger verstanden haben, dass Jesus zu seinem Vater geht, weil er der Sohn Gottes ist. Den Jüngern war lange nicht klar, wer Jesus ist. Wenn wir die Evangelien sorgfältig lesen, fällt uns auf, dass die Jünger sich nie wirklich sicher waren, wer Jesus ist. Sie waren von ihm angezogen und fasziniert, aber doch immer wieder etwas verunsichert.
Es gab wenig helle Momente, in denen den Jüngern alles klar schien. Einmal sagte Petrus zu Jesus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Matthäus 16,16)
Dieses klare Bekenntnis war eine momentane Erleuchtung von oben, denn Jesus antwortet Petrus:

„Glücklich bist du zu preisen, Simon, Sohn des Jona; denn nicht menschliche Klugheit hat dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ (Matthäus 16,17)

Später, als Jesus verhört wurde, behauptete Petrus sogar, Jesus nicht zu kennen. Und nach der Kreuzigung waren die Jünger völlig verwirrt.

Doch jetzt, beim Abschied von Jesus, der sie auf übernatürliche Weise verlässt, sind alle Zweifel weg. Jetzt ist ihnen ganz klar, dass sie mit dem Messias, dem Sohn Gottes, dem König aller Könige, zusammen waren. Er geht zurück zu seinem Vater und wird sich zur Rechten des Höchsten setzen.

Jesus ist alle Macht gegeben. Ihr Jesus sitzt jetzt auf dem Thron! Was für eine Freude!

 

Freut euch – Jesus begleitet uns!

Die Freude ist gross, weil sie verstanden haben, dass Jesus sie weiterhin begleiten wird. Was sie früher nicht begreifen konnten, war ihnen in diesem Moment klar. Jesus sagte ihnen früher. „Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht von euch wegginge, käme der Helfer nicht zu euch; wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.“ (Johannes 16,7)
Sie würden an seiner Stelle einen Helfer bekommen, der sie begleiten wird. Das war ihnen nun plötzlich klar, so sagte Petrus in seiner Predigt an Pfingsten: „Jesus ist in den Himmel emporgehoben worden, um den Ehrenplatz an Gottes rechter Seite einzunehmen, und hat von seinem Vater die versprochene Gabe erhalten, den Heiligen Geist. Diesen Geist hat er nun über uns ausgegossen, und das ist es, was ihr hier seht und hört.“ (Apostelgeschichte 2,33)

 

Durch den Heiligen Geist bleiben wir mit Jesus en verbunden und sind nicht mehr von seiner körperlichen Gegenwart abhängig. Jetzt kann uns Jesus sozusagen überall begleiten. Jetzt ist Jesus in der Lage, sein Versprechen an seine Jünger und an uns zu erfüllen: „Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28,20)

Freut euch – Jesus wird uns nach Hause holen!

Die Freude ist gross, weil sie wissen, dass Jesus sie nach Hause holen wird.
Jesus hatte die Jünger nämlich mit dem Versprechen verlassen, dass er wiederkommen wird und sie in die Stadt holen, die er in der Zwischenzeit für sie vorbereitet. Er sagt den Jüngern: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann etwa zu euch gesagt, dass ich dorthin gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Und wenn ich einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich wieder kommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (Johannes 14,2-3)

Der Abschied von Jesus ist also kein endgültiger Abschied. Jesus wird wiederkommen und die Jünger wussten, dass sie dann in alle Ewigkeit mit Jesus zusammenbleiben werden.

man facing clouds during golden time

Wir sollen wissen, dass Jesus uns nach Hause holen wird und alle Christen für immer bei Jesus sein werden. Es gibt also unter Christen keine endgültigen Abschiede. Jeder Abschied unter Christen ist immer nur vorläufig.

Während die Jünger der Wolke nachsehen, standen plötzlich zwei Männern in weissen Gewändern bei ihnen. Es sind Engel und sie sagen: „Ihr Männer von Galiläa, warum steht ihr hier und starrt zum Himmel hinauf? Dieser Jesus, der aus eurer Mitte in den Himmel genommen worden ist, wird wiederkommen, und zwar auf dieselbe Weise, wie ihr ihn habt gehen sehen.“ (Apostelgeschichte 1,11)
Wenn Jesus dann kommen wird, dann wird er in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit erscheinen.
Plötzlich wird Jesus wieder in Erscheinung treten. Verhüllt in einer Wolke wird er kommen und die Wolke wird sich verziehen und den Blick zu Jesus öffnen.
Auf diesen einzigartigen Tag warten wir Christen, denn wenn Jesus kommt, haben wir unser Ziel endgültig erreicht.

 

Schlussgedanke

 

Der Abschied von Jesus löste bei den Jüngern grosse Freude aus. Wir können diese Freude mit den Jüngern teilen, denn das, worüber sie sich freuten, gilt heute wie damals.

Und wir warten auf den Tag, da Jesus kommt. Paulus schreibt: „Wir sind Bürger des Himmels, und vom Himmel her erwarten wir auch unseren Retter – Jesus Christus, den Herrn. Er wird unseren unvollkommenen Körper umwandeln und wird ihn seinem eigenen Körper gleichmachen, der Gottes Herrlichkeit widerspiegelt. Er hat die Macht dazu, genauso, wie er auch die Macht hat, das ganze Universum seiner Herrschaft zu unterstellen.“ (Philipper 3,20-21)

 

Freuet Euch. Halleluja !

 

Impulse zum Nachdenken

  • Was bedeutet es für dich, dass Jesus Gottes Sohn ist, der in Menschengestalt auf die Erde gekommen ist, um am Kreuz durch seinen Tod für unsere Sünden zu bezahlen?
  • Wie erlebst du, dass Jesus uns begleitet und dass uns der Vater den Heiligen Geist gegeben hat?
  • Was löst der Gedanke bei dir aus, dass Jesus wiederkommen wird in aller Macht und Herrlichkeit? Wir wissen aber weder Tag noch Stunde. Bist Du bereit?
  • In welcher Situation hat dich das Wissen getröstet, dass es unter Christen keinen endgültigen Abschied gibt? Jeder Abschied ist vorläufig denn wir werden uns in der Ewigkeit wiedersehen und mit Jesus zusammen sein.
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